Österreichische Edelbrände erobern die Cocktailwelt: Barkeeperin Anna Leitner zeigt, wie Marillenschnaps & Co. in der Hausbar neu interpretiert werden.
Als ich neulich im Kleinod in Wien saß und einen Cocktail namens „Maria Theresia“ bestellte, wusste ich sofort: Da tut sich was. Statt der üblichen Bourbons und Gins landete ein Glas mit Marillenschnaps, Sekt und Holunderblüte vor mir – ein österreichisches Kunstwerk. Barkeeperin Anna Leitner, die mit ihrer Auszeichnung als „Barkeeperin des Jahres 2023“ für Furore sorgt, setzt bewusst auf heimische Edelbrände. Und sie ist nicht allein. Österreichs über 20.000 Obstbrennereien produzieren Spitzenqualität, die längst den Weg in die internationale Cocktailwelt gefunden hat. Vergessen Sie süßen Likör – der Schnaps der Zukunft ist klar, komplex und revolutioniert, was wir aus der Shakerflasche gießen.
Die Renaissance des Schnapses in der Cocktailwelt

Österreich zählt zu den großen Geheimtipps der Spirituosenwelt. Rund 20.000 Obstbrennereien – viele davon kleine Familienbetriebe – keltern, vergären und destillieren jedes Jahr Millionen Liter Edelbrände. Und während die internationale Barkultur lange auf Rum, Whisky und Gin setzte, entdecken immer mehr Top-Barkeeper die heimischen Schätze. Nicht als süßen Likör zum Kaffee, sondern als ernstzunehmende Basis für komplexe Cocktails.
Ein Paradebeispiel ist der Maria Theresia Cocktail, der in den 90er Jahren fast in Vergessenheit geraten war. In angesagten Locations wie dem Kleinod oder der Loos Bar in Wien erlebt er ein fulminantes Comeback. Die Kombination aus Marillenschnaps, prickelndem Sekt und einem Hauch Holunderblüte vereint österreichische Tradition mit moderner Mixology. Anna Leitner erklärt: „Unsere Gäste lieben die Verbindung von vertrauten Aromen und überraschenden Texturen. Ein guter Marillenschnaps hat eine fruchtige Eleganz, die sich hervorragend mit Säure und Bitterstoffen verbindet.“
Die Entwicklung zeigt sich auch in den Verkaufszahlen: Laut dem Verband der Österreichischen Spirituosenindustrie stieg der Absatz von hochwertigen Obstbränden in der Gastronomie 2023 um fast 15 Prozent. Immer mehr Hobby-Barkeeper greifen zu Flaschen von Brennereien wie Farthofer, Reisetbauer oder Storr, um ihren Hausbars einen alpinen Twist zu verleihen.
Die Tradition der österreichischen Edelbrandbrennerei
Die Kunst des Obstbrandbrennens hat in Österreich eine jahrhundertealte Tradition. Besonders in Regionen wie dem Mostviertel und der Steiermark ist die Herstellung von Edelbränden tief in der ländlichen Kultur verankert. Früher war der selbst gebrannte Schnaps oft ein Produkt für den Eigenbedarf – heute stehen die Brände vieler Brennereien auf dem Niveau internationaler Spitzendestillerien.
Typische Obstsorten für österreichische Edelbrände sind:
- Marille (Aprikose): Vor allem aus der Wachau und dem Burgenland, mit intensivem Fruchtaroma.
- Williams Birne: Aus dem Mostviertel, elegant und sehr sortenrein.
- Vogelbeere (Eberesche): In alpinen Lagen gereift, herb-würzig und komplex.
- Edelkirsche: Aus der Steiermark, mit dunklen Kirsch- und Mandelnoten.
Die Qualität dieser Brände wird regelmäßig bei Wettbewerben wie der Destillata 2023 ausgezeichnet. So erhielten die Brennerei Farthofer und Reisetbauer mehrfach Goldmedaillen – ein Gütesiegel, das auch international Beachtung findet. Viele dieser Betriebe öffnen ihre Türen für Besucher: In der Steiermark kann man bei Schartner an Führungen teilnehmen, im Mostviertel Farthofer besichtigen und die Philosophie hinter den Tropfen erleben.
Die Top-Schnaps-Sorten für Barkeeper


Nicht jeder Schnaps eignet sich gleichermaßen für Cocktails. Als Hobby-Barkeeper sollten Sie zu Sorten greifen, die einen klaren, intensiven Fruchtgeschmack und ein ausgewogenes Verhältnis von Süße und Säure mitbringen. Hier eine Übersicht der vier wichtigsten Kategorien:
- Marillenschnaps von Farthofer: Fruchtig, mit einer leichten Süße und einem Hauch von Mandel. Ideal für Sours und Longdrinks mit Zitrusaromen.
- Williams Birne von Reisetbauer: Ein eleganter Brand mit betonter Birnigkeit und wenig Schärfe. Perfekt für Tonic-Getränke oder als Grundlage für einen Colorado Bulldog.
- Vogelbeerbrand von der Brennerei Storr: Herb und würzig, mit einer bitteren Note. Dieser Schnaps ist die Geheimwaffe für komplexere Cocktails wie Alpine Negroni (Vogelbeerbrand statt Gin).
- Edelkirsche von Schartner: Intensiv-kirschig, leicht rauchig im Abgang. Ein Klassiker für Sauerbier-Mischungen und Cocktails mit Cranberry-Saft.
Wenn Sie erstmals mit Schnaps mixen, starten Sie am besten mit einem Marillenschnaps – er ist am vielseitigsten und harmoniert mit vielen Zutaten. Achten Sie auf den Alkoholgehalt: Für Cocktails eignen sich Brände mit 40–45 % vol. optimal.
Cocktail-Rezepte mit österreichischem Schnaps
Jetzt wird es praktisch. Hier drei Rezepte, die Sie zu Hause nachmixen können – von klassisch bis erfrischend:
Marille Sour
Dieser Drink ist eine Hommage an die Wiener Sour-Kultur. Fruchtig, cremig und säuerlich zugleich.
- 4 cl Farthofer Marillenschnaps
- 2 cl frischer Zitronensaft
- 1 cl Zuckersirup
- 1 Eiweiß (oder 2 cl Aquafaba)
- Eiswürfel, eine Marille zum Garnieren
Zubereitung: Alle Zutaten ohne Eis in einen Shaker geben und trocken shaken (ca. 10 Sekunden). Dann Eis hinzufügen und kräftig schütteln (15 Sekunden). In ein Tumbler-Glas mit einem großen Eiswürfel abseihen. Mit einer Gurkenscheibe und einer Marillenhälfte garnieren. Der Drink entfaltet eine herrliche Schaumkrone und schmeckt nach einem sonnigen Spätsommer.
Wiener Williams Tonic
Eine österreichische Antwort auf den Gin Tonic – leicht, spritzig und elegant.
- 4 cl Reisetbauer Williams Birne
- 2 cl Holunderblütensirup (z. B. von Mautner Markhof)
- 1 Limettenscheibe + Abrieb
- ca. 10 cl Fever-Tree Mediterranean Tonic Water
- Eiswürfel
Zubereitung: Ein Longdrink-Glas mit Eis füllen. Williams Birne und Holunderblütensirup eingießen. Mit Tonic auffüllen. Limettenscheibe ins Glas legen und etwas Schale abreiben. Vorsichtig umrühren – die Bläschen sollen erhalten bleiben. Dieser Cocktail ist perfekt für laue Sommerabende auf der Terrasse.
Almdudler-Schnaps Spritz
Ein Ultra-lokaler Drink, der zwei österreichische Ikonen vereint: Almdudler und Obstbrand.
- 3 cl klarer Obstbrand (z. B. Schartner Edelkirsche oder Reisetbauer Birne)
- 6 cl Almdudler
- Soda (Mineralwasser)
- Eis, Zitronenzeste
Zubereitung: Ein Weinglas zur Hälfte mit Eis füllen. Den Obstbrand und Almdudler dazugeben. Mit Soda auffüllen und mit einer Zitronenzeste garnieren. Dieser Spritz ist schnell gemacht, erfrischend und ideal für den spontanen Abend mit Freunden. Wer es herb mag, nimmt Vogelbeerbrand.
Schnaps und Speisen: Perfekte Pairings

Ein guter Edelbrand ist nicht nur ein Mixer – er kann auch als Begleiter zu Speisen glänzen. Vor allem in der gehobenen österreichischen Küche setzen Top-Köche auf die Kombination von Schnaps und Gerichten. Das Steirereck in Wien, mehrfach mit Michelin-Sternen ausgezeichnet, empfiehlt folgende Kombinationen:
- Marillenschnaps + Topfenstrudel oder Marillenknödel: Die Fruchtsäure des Schnapses bricht die Süße des Topfens und der Knödel. Ein Genuss für die Geschmacksnerven.
- Williams Birne + würziger Bergkäse: Der Graukäse aus Tirol ist kräftig und salzig – die Birne bringt eine frische, süße Note, die den Käse abrundet. Dazu passt ein kräftiges Bauernbrot.
- Vogelbeerbrand + Wildgerichte: Denken Sie an Rehfilet mit Preiselbeeren oder ein saftiges Hirschragout. Der herbe Brand mit seiner würzigen Tiefe harmoniert perfekt mit dem Wildgeschmack.
Probieren Sie diese Kombinationen bei Ihrem nächsten Dinner – Sie werden überrascht sein, wie viel Tiefe und Eleganz ein österreichischer Schnaps in den Gaumen zaubert.
Fazit und Ihre nächste Cocktail-Kreation
Österreichische Edelbrände sind keine verstaubten Hintertafel-Getränke mehr. Sie sind das Rückgrat einer neuen Alpinen Mixology, die auf Qualität, Tradition und Kreativität setzt. Mit Sorten wie Marillenschnaps von Farthofer, Williams Birne von Reisetbauer oder dem herb-würzigen Vogelbeerbrand von Storr können Sie zu Hause Cocktails mixen, die Ihre Gäste zum Staunen bringen.
Mein Tipp: Besuchen Sie eine der zahlreichen Brennereien im Mostviertel oder in der Steiermark, um die handwerkliche Kunst direkt zu erleben. Oder bestellen Sie online bei spezialisierten Händlern wie Das Schnapskomplott oder dem Genusspaket-Shop. Und dann geht’s ans Mixen!
Teilen Sie Ihr erstes Ergebnis auf Instagram mit dem Hashtag #GourmetsternSchnaps – ich bin gespannt auf Ihre Kreation. Werden Sie Teil dieser Revolution: Schnaps ist nicht nur zum Trinken da – er ist Ihr neuer bester Freund in der Hausbar.



