Österreichische Cocktailbars setzen verstärkt auf Nachhaltigkeit: Zero Waste, regionale Zutaten und Bio-Spirituosen begeistern Gäste in Wien, Graz und Salzburg.
Wussten Sie, dass österreichische Cocktailbars in den letzten zwei Jahren ihre Nachhaltigkeitsbemühungen um beeindruckende 40 Prozent gesteigert haben? Was einst als Nischenthema galt, ist heute ein zentraler Qualitätsfaktor für Genießer. Immer mehr Gäste fragen nicht nur nach dem Geschmack, sondern auch nach der Herkunft der Zutaten, dem Energieverbrauch und der Vermeidung von Abfall. Laut einer aktuellen Umfrage der Vereinigung Österreichischer Barkeeper bevorzugen 78 Prozent der Gäste nachhaltige Angebote – ein klares Signal an die Branche. Die Hauptstadt Wien hat sich dabei als Vorreiterin etabliert, aber auch in Graz, Linz oder Salzburg wächst die Bewegung rasant. In diesem Artikel nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die innovativsten Konzepte und zeigen, wie Sie selbst aktiv zu einem umweltfreundlichen Barerlebnis beitragen können.
1. Der grüne Trend in der Cocktailkultur

Die österreichische Cocktailkultur erlebt einen fundamentalen Wandel: Statt exotischer Früchte aus Übersee und Wegwerf-Plastik setzen immer mehr Betriebe auf regionale Kreisläufe, Zero-Waste-Prinzipien und faire Lieferketten. Eines der leuchtendsten Beispiele ist die Wiener Bar „Green Sip“ im 7. Bezirk. Hier gilt eine strikte Zero-Waste-Policy: Jede Zitronenschale, jeder Kaffeefilter wird weiterverwertet – sei es als Sirup, als Deko oder als Duftspender für den Raum. Geschäftsführerin Maria Hofer erklärt: „Unser Ziel ist es, keinen organischen Abfall zu produzieren. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern spart auch Kosten und fördert die Kreativität.“ Die Bar bezieht ihre Äpfel von Streuobstwiesen aus der Steiermark, Kräuter von Biobauern aus dem Burgenland und pflegt eine enge Zusammenarbeit mit regionalen Imkern. Der Erfolg gibt ihr recht: Die Gästezahlen sind seit der Umstellung um 25 Prozent gestiegen. Dieser Trend ist kein Einzelfall – in ganz Österreich eröffnen neue, nachhaltig ausgerichtete Bars, und bestehende Häuser rüsten um.
2. Regionale Zutaten: Vom Bauern direkt ins Glas
Der Schlüssel zu einem umweltfreundlichen Cocktail liegt in der Herkunft der Rohstoffe. Lange Transportwege und energieintensive Kühlketten werden durch lokale Bezugsquellen ersetzt. Die Linzer „Bio-Bar“ hat dafür einen besonders kreativen Weg gewählt: Im eigenen Hydrokulturgarten im Hinterhof wachsen Minze, Basilikum und Zitronenmelisse – ganz ohne chemische Düngemittel und mit minimalem Wasserverbrauch. So können die Mixologen das ganze Jahr über frische Kräuter ernten, ohne auf importierte Ware angewiesen zu sein. Ein weiteres Paradebeispiel ist die Verwendung von Most aus dem Mostviertel. Statt teurer Importweine setzen viele Bars auf den fruchtigen Apfel- oder Birnenmost, der hervorragend mit regionalen Spirituosen harmoniert. Auch Honig von Imkern aus dem Salzkammergut wird zunehmend als Süßungsmittel eingesetzt – statt Agavendicksaft oder Industriezucker. In der Wachau reifen Beeren, die in Bars wie der „Berry & Spice“ in Krems zu erfrischenden Sour-Cocktails verarbeitet werden.
Beispiele regionaler Zutaten, die überzeugen
- Steirischer Apfel von Streuobstwiesen – verarbeitet zu klarem Saft oder als Garnitur.
- Kräuter aus dem Burgenland – von Majoran bis Thymian, für aromatische Infusionen.
- Wachauer Beeren – Johannisbeeren, Himbeeren und Holunder, oft in Sirupform.
- Eier aus Freilandhaltung aus dem Mühlviertel – für den perfekten Eiweißschaum.
Diese Beispiele zeigen: Regionalität bedeutet nicht Verzicht, sondern eine Bereicherung des Geschmacks. Viele Barkeeper berichten, dass sie durch die Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten neue Aromen entdecken, die sie vorher nie verwendet hätten. So wird das Glas zum Botschafter der österreichischen Landwirtschaft.
3. Zero Waste: Kein Tropfen bleibt übrig


Die größte Herausforderung in der Gastronomie ist der Abfall – und genau hier setzen die innovativsten Konzepte an. Die Grazer „Bar Minimal“ hat ein eigenes Destillationssystem installiert, um Zitrusschalen zu ätherischen Ölen zu verarbeiten. Aus Kaffeesatz wird ein Rub für Cocktailgläser hergestellt, der dem Drink eine rauchige Note verleiht. „Wir wollten zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht langweilig sein muss“, sagt Chef-Barkeeper Lukas Pichler. „Im Gegenteil: Die Reste geben uns die Möglichkeit, völlig neue Geschmacksdimensionen zu erschließen.“ In Wien hat die „Zero Waste Bar“ eine ähnliche Philosophie: Fruchtreste werden zu Sirup gekocht, Kräuterstängel landen in Infusionen, und aus Olivenkernen entsteht ein überraschender Likör. Sogar Ananasschalen finden Verwendung – sie werden getrocknet und für ein selbstgemachtes Tepache (ein fermentiertes Getränk) genutzt.
Methoden der Zero-Waste-Barkultur
- Zitrusschalen destillieren zu Ölen oder Bitters – konzentrierte Aromen ohne Abfall.
- Fruchtfleisch und -reste zu Marmelade oder Püree einkochen – etwa aus Melone, Mango oder Ananas.
- Kräuterreste für Infusionen – Minzstängel, Rosmarin-Zweige oder Thymian-Reste verleihen Sirupen Tiefe.
- Kaffeesatz als Rub oder für Cocktail-Crumbles – auch als Dünger im Hydrokulturgarten nutzbar.
- Übriges Obst zu Sorbet verarbeiten – als erfrischende Beilage zum Drink.
Diese Methoden sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern sparen bares Geld. Die „Bar Minimal“ hat ihren Einkauf von Obst und Gemüse um 15 Prozent reduziert, weil kein Abfall mehr entsteht. Und die Gäste schätzen die kreativen Kombinationen: Der „Citrus-No-Waste-Cocktail“ mit selbstdestilliertem Zitronenöl und Orangen-Marmelade ist einer der Bestseller.
4. Umweltfreundliche Infrastruktur: Energie und Materialien
Nachhaltigkeit endet nicht bei den Zutaten – auch die technische Ausstattung einer Bar trägt erheblich zum ökologischen Fußabdruck bei. Die Salzburger „Jazz Bar“ hat konsequent auf 100 Prozent Ökostrom umgestellt, sämtliche Leuchtmittel durch energieeffiziente LED-Beleuchtung ersetzt und wassersparende Spülmaschinen installiert. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Der Wasserverbrauch sank um 20 Prozent, der CO₂-Ausstoß um 30 Prozent. In Innsbruck setzt die „Eco Bar“ auf Möbel aus Altholz und Gläser aus recyceltem Glas. „Jedes Detail zählt“, betont Inhaberin Sophie Gruber. „Selbst die Strohhalme sind bei uns aus Edelstahl oder Papier – Plastik hat keinen Platz mehr.“ Auch das Thema Kühlung wird neu gedacht: Moderne, gut isolierte Kühlschränke mit Wärmerückgewinnung senken den Energiebedarf weiter.
Maßnahmen für eine grünere Bar-Infrastruktur
- Ökostrom-Tarif wählen und den Verbrauch monitoren.
- LED-Leuchtmittel in der gesamten Bar, auch bei der Thekenbeleuchtung.
- Wassersparende Armaturen und Geschirrspüler mit Energiesparprogramm.
- Möbel aus Second-Hand oder regionalem Altholz – einzigartig und nachhaltig.
- Gläser aus recyceltem Glas – diese haben oft eine schöne, leicht unregelmäßige Optik und sind stabil.
- Strohhalme aus Edelstahl, Glas oder Papier – komplett plastikfrei.
Diese Investitionen amortisieren sich oft innerhalb weniger Jahre. Die „Jazz Bar“ spart durch die neuen Spülmaschinen jährlich rund 1.500 Euro an Wasser- und Energiekosten. Und das Imagegewinnen ist enorm: Immer mehr Gäste wählen gezielt Betriebe, die ihre Umweltverantwortung ernst nehmen.
5. Bio-Spirituosen und nachhaltige Brände

Das Herzstück jedes Cocktails ist die Spirituose. Auch hier tut sich einiges: Immer mehr Bars setzen auf Bio-Rum und Bio-Wodka aus österreichischer Produktion. Ein Vorreiter ist die Tiroler Brennerei „Rumme-Hof“, die ihren Rum aus biologisch angebautem Zuckerrohr aus Paraguay bezieht und in Tirol lagert. Der „Rumme-Hof Old Rum“ ist mittlerweile in über 50 nachhaltigen Bars Österreichs zu finden. Auch der „Bio-Vodka“ aus Oberösterreich, destilliert aus biologischem Getreide der Region, erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die Wiener „Green Sip“ arbeitet exklusiv mit der Schnapsbrennerei Mayer im Mostviertel zusammen, die Bio-Obstbrände aus alten Apfel- und Birnensorten herstellt. „Diese Zusammenarbeit fördert die Biodiversität“, erklärt Brennmeister Johann Mayer. „Viele Streuobstsorten sind vom Aussterben bedroht – durch die Nachfrage der Barkeeper können wir diese alten Kultursorten erhalten.“
Empfehlenswerte Bio-Spirituosen aus Österreich
- Rumme-Hof Bio-Rum (Tirol) – vollmundig, mit Karamell- und Vanillenoten.
- Bio-Vodka Oberösterreich – aus biologisch angebautem Getreide, mild und weich.
- Schnapsbrennerei Mayer Bio-Obstbrände (Mostviertel) – Apfel, Birne, Schlehe.
- Bergkloster Bio-Liköre (Salzburg) – Kräuter- und Wurzelrezepturen.
- Steirerland Gin (Steiermark) – mit regionalen Botanicals wie Wacholder, Holunder und Zirbe, fairtrade-zertifiziert.
Diese Spirituosen sind nicht nur geschmacklich exzellent, sondern tragen zu einer nachhaltigen Landwirtschaft bei. Viele der Brände sind bio-zertifiziert und teilweise auch fairtrade, sodass die Produzenten in den Anbauländern faire Löhne erhalten. Ein Cocktail mit solchen Zutaten wird zum Statement für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit.
6. Dein nachhaltiger Cocktailabend: So unterstützt du die Bewegung
Du möchtest selbst Teil dieser Entwicklung werden? Besuche noch heute eine der genannten Adressen und genieße einen umweltbewussten Cocktail. Probiere dabei Zutaten aus der Region und frage nach Konzepten der Bar. Teile deine Erfahrungen auf Social Media mit dem Hashtag #NachhaltigGenießen und inspiriere andere. Jeder nachhaltige Drink zählt.
Top-Adressen für nachhaltige Cocktails in Österreich
- Wien: „Green Sip“ (7. Bezirk) – Zero-Waste-Policy, regionale Zutaten.
- Graz: „Bar Minimal“ – Destillation von Zitrusschalen, Kaffeesatz-Aufbereitung.
- Salzburg: „Jazz Bar“ – 100% Ökostrom, wassersparende Technik.
- Innsbruck: „Eco Bar“ – Möbel aus Altholz, recycelte Gläser.
- Linz: „Bio-Bar“ – Hydrokulturgarten, selbst angebaute Kräuter.
Setze ein Zeichen für Genuss mit Verantwortung – die österreichische Barwelt freut sich auf dich.



